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Figuren

Narrenzunft Gengenbach e.V

Gengenbacher SpättleWohl mit zu den bekanntesten und bedeutendsten Figuren der Gengenbacher Fasend zählt der Spättlehansel und die Hexe. Sie gehören zur Gengenbacher Fasend wie der Schalk zum Niggelturm und wie das Wasser in die Kinzig. Die Spättlehansel und die Hexen zählen derzeit je ca. 120 aktive Hästräger, im Alter von 18 bis 95 Jahren. Das Häs des Gengenbacher Spättlehansel besteht aus einer Hose, Jacke, Kopfhaube und Holzmaske. Es werden zweierlei Stoffe dachziegelartig ausgeschnitten, zusammengenäht, gewendet und dann überlappend auf den Anzug aufgenäht. Für ein Häs benötigt man ca. 1200 doppelt genähte Stoffstücke.

Das Spättlehansel trägt eine freundlich dreinschauende Holzmaske mit angeschnitztem Haaransatz. An ihr ist die Kopfhaube - mit 2 schwarzen Tuchhörnem und kleinen Schellen befestigt. Zum Häs werden dunkle Schuhe getragen. Das Spättlehansel schwingt in der Hand einen Stecken mit einer Saublöder, die ab und zu die Zuschauer zu spüren bekommen oder eine hölzerne Streckschere, an der oft Hüte oder Mützen "einfach hängen bleiben".

1934 sind die Hexen erstmals offiziell an der Fasend in Gengenbach in Erscheinung getreten. Ein Jahr später wurden sie wieder beim Narrentreffen in Offenburg gesehen. Die erste Gengen bacher Hexenlarve wurde vom Gengenbacher Bildhauer Hans Irion 1934 gestaltet und geschnitzt. Auch 55 Jahre später zieht diese lebendig wirkende Narrengestalt den Betrachter sofort in seinen Bann. Große weiße Glubschaugen, eine betonte Hakennase, herausspringende Zähne mit großen Zahnlücken, sind markante Zeichen der aus Lindenholz geschnitzten Maske. Das "Hexeg'sicht" ist an einem Wiener oder Kaschmirschal festgenäht.

Die Gengenbacher Hexe trägt Strohschuhe, Ringelsocken, einen roten Bauernunterrock, eine blau-weiße Schürze sowie den sogenannten Peter. Unter dem Rock blitzt eine lange weiße, mit Spitzen besetzte Unterhose hervor. Der Hexenbesen mit möglichst bizarrem, knorrigem Stil -je krummer desto besser - vervollständigt die Ausstattung einer Gengenbacher Hexe. Hinter der Hexenmaske steckt immer ein echter männlicher Narr. Startschuß der Gengenbacher Fasend ist der Hemdenglunker. Ab diesem Zeitpunkt treiben die zu jedem Schabernack aufgelegten Hexen und Spättlehansel für 3 1/2 Wochen innerhalb der Gemeindegrenzen ihr Unwesen.

Drei Wochen vor der Kalenderfastnacht, an einem Samstagabend, wird der "Schalk" geweckt, der - nach der Gengenbacher Überlieferung - das Jahr über im Niggelturm schläft. Ein Spätwinterabend, eine große, erwartungsvolle Menge unter dem Niggelturm. Die ersten Trommelschläge aus der Ferne, dann kommen sie: Hunderte von weißen Gestalten, Erwachsene und Kinder, alle im weißen Nachthemd mit der Zipfelkapp, die Damen elegant im Bettkittel und dem Spitzenhäubchen, ein ganz großer Narr sogar in seinem Bett auf Rädern. Alle lärmen und trommeln, voran die tonangebende Gruppe, die auf den umgekehrten Holzkübeln den Takt angibt. Einmal durchziehen sie die wichtigsten Straßen, als wollten sie alle Gengenbacher auffordern:
"Kommt, helft mit, den Schalk oben auf seinem Turm wach zu kriegen!" Wieder vor dem Niggelturm angelangt, steigert sich der Lärm in's Unglaubliche - der Rhythmus der Kübeltrommler geht In einen Trommelwirbel über, dann schreit die Menge zum Turm hinauf: "Schalk, wach uf, Schalk, mach mit, Schalk, kum ra - s'isch Fasendzit!" Ein Feuerwerk kracht - dann bricht lauter Jubel aus: Der Schalk schwenkt seine Laterne auf der Brüstung des Niggelturmes in alte vier Winde. Die Fasend ist da.

Der Hemdglunker ist immer dreieinhalb Wochen vor dem Aschermittwoch. Er läutet in Gengenbach die hohe Narrenzeit ein. Jeder richtige Narr fiebert diesem Samstag Ende Januar oder Anfang Februar schon Tage vorher entgegen. Der eine richtet seine ganzen Utensilien, die er für diesen Tag braucht, und kontrolliert, ob alles vollständig ist, der andere muß sich eventuell noch ein weißes Nachthemd oder Ringelsocken besorgen. Wie sieht das richtige "Häs" eines Hemdglunkers aus? Ein weißes Nachthemd, darunter eine Spitzenunterhose, Ringelsocken
   
und Strohschuhe bedecken den Körper, ergänzt durch ein rotes Halstuch mit weißen Tupfen, welches mit einer Streichholzschachtel zusammengehalten wird, und letztendlich noch die Schlafmütze, genannt Zipfelskapp. Beim Hemdglunker wird der Schalk, die Gengenbacher Hauptfigur, geweckt. Somit ist es notwendig, ein Krachinstrument bei sich zu haben. Beispiele hierfür sind: ein alter Kochtopf mit Kochlöffel, alte Blechdosen, Bettflaschen aus Metall mit Steinen gefüllt, Päper und andere Blasinstrumente, halt alles was Krach erzeugt und nicht zuletzt die eigene Stimme.

Das Gewand der Alt-Gengenbacherinnen besteht aus einem Reifrock, der als Unterrock getragen wird, dem Kleid aus Rock und Jacke, passender Kopfbedeckung (Schaf), farblich zum Kleid abgestimmten Handschuhen, geschlossenen schwarzen Schuhen und dem unverzichtbaren Beutel, der alles enthält, was eine Dame benötigt, vom Lippenstift bis hin zum Schnäpsle. Je nach Geschmack wird zusätzlich eine Stola getragen.

Die Kleidung des Narrenrats besteht - seit 1935 der Ornat neu geschaffen wurde - für den Außenbereich aus einem schwarzen talarähnlichen Samtkittel mit auffallendem weißen Kragen, roter Kniehose, weißen Strümpfen und Allongeperücke. Bei gesellschaftlichen Anlässen wird das "kleine Häs" getragen. An Stelle des Talars tritt eine kurze Jacke mit weißer Kragenbinde. Die Perücke entfällt, dafür wird ein schwarzes Samtbarett mit roter Feder getragen.

Über die Herkunft des Klepperns gibt es viele Spekulationen. Fest steht, daß es in unserem südwestdeutschen Brauchtumsgebiet neben Gengenbach nur in Haslach, Radolfzell und Waldkirch aktiv ausgeübt wird. Dagegen ist es in fast allen Schweizer Regionen verbreitet - oftmals sogar als Fasteninstrument, das nur zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag ertönt. Ist nun der Ursprung dieses Brauches im Klappern der Aussätzigen zu suchen, die in der Zeit des 15./16. Jahrhunderts diese Kleppern benutzen mußten, um die übrige Bevölkerung vor ihrer ansteckenden Krankheit zu warnen? Oder klepperte der mittelalterliche Narr, der ja bekanntlich auch als Spötter gegenüber der Kirche auftrat, als Ersatz für schweigende Kirchenglocken? Oder ist dieses "Holzschlagen" ein Instrument, das neben Besen, Löffeln und Pfannen Bestandteil alter zentralschweizerischer Volksmusik war, die in letzter Zeit in der Guggenmusik eine lärmende Neubelebung fand?

Wie dem auch sei - die Gengenbacher Klepperlesbuben tragen schwarze Schuhe, eine schwarze Hose, darüber eine Küferbluse. Ein rotes Halstuch, nicht geknotet, sondern mit einer Streichholzschachtel befestigt, kleidet den Hals. Als Kopfbedeckung dient eine schwarze "Zipfelskapp". "Bewaffnet" sind sie, je nach Können, mit 2 oder 4 "Holzklepperli" für eine bzw. beide Hände. Auf den Schulterbereich der Küferbluse aufgenäht ist auf der rechten Seite ein Strohbüschel, links eines aus Heu. So lautet das Kommando logischerweise: "Heurum" oder "Strohrum".

Der Bott, oder wie er früher hieß, der Unzuchtmeister, ist eine Einzelfigur unserer Fasend. Er wurde 1972 ins Leben gerufen und ist seitdem bei fast allen großen Veranstaltungen der Narrenzunft dabei. Beim "Heiteren" führt er mit durchs Programm, die Umzüge am Sonntag und Dienstag leitet er zusammen mit dem Schalk von der Spitze weg an. Ein besonderer Tag des Bott' s ist der Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag,wenn der Feuerhaken und der Hexenbesen aufgestellt und damit die Straßenfasend eröffnet wird. Eine Stunde vor Beginn zieht er seine Kleidungsstücke an: Als Kopfbedeckung eine Art Barett, das auf der rechten Seite über' s Ohr gezogen wird, weißer Rollkragenpullover, roter, halblanger Mantel,
   
mit schwarzem Ledergürtel gebunden, eine weitere schwarze Überschlaghose aus Wollstoff und dazu weiße Kniestrümpfe und schwarze Schuhe. Als Utensil hat er eine schwarze Umhängetasche aus Leder, die als Inhalt unter anderem eine Flasche Rossler (Schnaps) aufweist, um lahmgewordene Stimmbänder wieder aufzufrischen. In der rechten Hand hält er eine Bottschelle, um damit auf sich aufmerksam zu machen, und in der linken Hand eine Dokumentenrolle mit der Aufschrift: "Bekanntmachung".

Die Lumbehund sind beim Umzug ein beliebtes Spielzeug der Hexen. Sie werden durch die Straßen gerollt, aufgestellt, angeschubst, so dass sie sich bewegen müssen, und irgendeine der Hexen wirft sie dann wieder um. Sofort stürmen alle anderen Hexen heran, stürzen sich auf sie und machen es sich auf ihren ausgestopften Körpern bequem. So geht es vom Umzugsbeginn an bis zum Schluß. Dazu sei gesagt: Ist der Umzug zu Ende, sind es auch die Lumbehunde.

Gezeichnet, in Schweiß gebadet (man stelle sich die Wärme unter dem Heu vor), durstig, einfach am Ende, können sie es kaum erwarten, von ihrem überdimensionalen Körper befreit zu werden. Nach der fälligen Dusche oder Bad und vielleicht auch etwas Schlaf, ist man jedoch schnell wieder erholt, und nun geht's logischerweise wieder zum "Schnurren" und "Schnaigen" auf die "Fasend"

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