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Figuren

Althistorische Narrenzunft Offenburg e.V.

Das Spättle-Hansele ist die zentrale Figur der Althistorischen Narrenzunft und bildet zahlenmäßig die größte Gruppe. Es trägt eine fröhliche, lachende Maske, die sofort Sympathie auf den Betrachter überträgt. Er muss selbst lachen oder zumindest lächeln, und das ist ja der Sinn der Sache. Eine spitz zulaufende Haube umschließt das Gesicht. Das Häs besteht aus etwa 1500 Filzspättle - von denen die Figur auch Ihren Namen erhalten hat - in sieben verschiedenen Farben. Mit einer lauten Rätsch und Glöckle am Häs machen die Spättle auf sich aufmerksam. Sie sind immer lustig und zu Streichen aufgelegt. Wenn sie durch die Stadt ziehen verteilen sie Gutsele und sind darum vor allem bei Kindern sehr beliebt.

Die Ranzengarde, wohl die älteste Fasentfigur Offenburgs, trägt die Uniform der Bürgerwehr um 1850. Mit dem Offenburger Fasentgericht, der in der Gulaschkanone selbst gekochten Bohnesuppe, sorgen die Gardisten dafür, dass alle Narren gut über die Fasent kommen und niemals Hunger leiden müssen. Bei den Fasentumzügen wird eine Kanone mitgeführt, die mit ihrem lauten Knall, bei dem die Umstehenden vor Schreck den Kopf einziehen, schon von weitem den Auftritt der Garde ankündigt.

Beim Nachschlagen in alten Fastnachtsprotokollen fällt oft auf, dass bei Umzügen, Redouten und Bällen Fanfarenbläser eingesetzt waren. Im Jahr 1957 begann die Narrenzunft, sich einne eigenen Fanfarenzug zuzulegen. Leider hatte Offenburg nicht wie andere, meist kleinere Orte, eine Musikkapelle für die Straßenfasnacht. Zwar half die Stadtkapelle immer wieder aus, doch eine ständige Begleitung war nicht machbar. Die Zunft brauchte bei den Straßenumzügen aber musikalische Begleitung.

Einige Sympathisanten aus der Ranzengarde erklärten sich bereit, aus der Not eine Tugend zu machen. In Ermangelung besserer Möglichkeiten und aus Kostengründen bildeten sie selbst einen Fanfarenzug. Eine neue Landsknechtskleidung, die der Kleidung des geschichtlich nachgewiesenen Offenburger Fahnenschwingers nachempfunden ist, motivierte die Mannschaft zusätzlich. Die Farben sind badisch: gelb-rot; auf der Brust prangt der vorderösterreichische Doppeladler als Erinnerung an die Herrschaft der Österreicher in der Ortenau. Heute läuft der Fanfarenzug immer an der Spitze der Zunft um jedem zu zeigen: "Hier kommt die Althistorische Narrenzunft Offenburg."

Zur Entstehungsgeschichte der "Alden" hat mehr oder weniger das Erscheinen der "Alt Offenburgerin", genannt Veef beigetragen. Ihr Bild entsprach einer Bürgersfrau aus der Biedermeierzeit. Mit ihrem losen Mundwerk zog sie außerdem über Land und Leute her. Das brachte ihr den Ruf einer bösen "Schnaige" ein. Während aber die Veef nur im Wochenblatt "D'r alt Offeburger" und bei den Redouten ihr Mundwerk wetzte, richteten sich immer mehr wesensgleiche Frauen auf diese Spielart der Fasnacht ein.

Sie gingen in gleicher oder ähnlicher Verkleidung und einer Gesichtsmaske aus Gaze-Stoff zum "Schnaigen". Dabei schlossen sie sich meist zu einer Clique zusammen und zogen durch die Lokale und auf Fasnachtsbälle, um mit ihrer spitzen Zunge bekannte Personen zum Narren zu halten. Nachdem diese Offenburger Narrenfigur nach und nach zu entschwinden drohte, nahm sich die Althistorische Narrenzunft ab 1968 dieser Gestalt an, indem sie eine eigene, zunftzugehörige Gruppe - die "Alde" bildete. Ihre Mitwirkenden sind ausschließlich Frauen. Viele von Ihnen sind schon lange Jahre aktiv in der Zunft tätig und sind oft als "Mädchen für alles" eine unentbehrliche "Einrichtung" geworden, auch außerhalb der Fasnachtszeit.

Was wäre eine echte Zunft ohne ihren Narrenrat. Schwere Entscheidungen, Entscheidungen die schwer sind und andere schwere Dinge lasten auf den Schultern des Narrenrates. Scherzhaft "Schwarzkittel" genannt kommt der Narrenrat wie der Name schon sagt in einer schwarzen Jacke daher, deren Ärmel und Saum mit bunten Filzspättle verziert sind. Eine Krummkappe ziert das stolze Haupt, die natürlich ebenfalls mit bunten Filzspättle verziert ist. Der Narrenrat, unter dem Vorsitz des Zunftmeisters, lenkt die Geschicke der Narrenzunft wobei die Entscheidungen immer unter Beisein der Funktionsträger der einzelnen Gruppen getroffen werden. Hier laufen alle Fäden zusammen, denn niemand sollte denken, dass nicht auch Narretei organisiert sein will.

Im Gegensatz zu manchen Nachbildungen ohne geschichtlichen Hintergrund ist in Offenburg das Bild eines Fahnenschwingers aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Die Kleidung entspricht der eines Landsknechtes aus dem 15.-16. Jahrhundert (damals Lanzknecht genannt), und ist in den Stadtfarben rot weiß gehalten. In der Schulterpartie der Jacke und auf das Barett ist ein großes Andreaskreuz als Symbol des städtischen Schutzheiligen "St. Andreas" eingearbeitet. Ein ähnliches Kostüm trägt heute der Fanfarenzug.

Veef und Andres, die Narreneltern, sind ein Biedermeierpaar, das im lockeren, witzigen Zwiegespräch all die kleinen Sünden von Offenburger Bürgern persifliert und das pünktlich zu jeder Fasent ein "Krampe" (Fasentkind) zur Welt bringt, der der Offenburger Fasent sein Gepräge gibt. Die beiden treten sowohl an den Kellerabenden wie auch an der Redoute in Erscheinung.

Der Bott, in früheren Zeiten der Übermittler amtlicher Nachrichten, bekam in der Narrenzunft eine andere Aufgabe. Seit etwa 1950 obliegt ihm die Verpflichtung, die Saalveranstaltungen zu moderieren, das Publikum zum Mitmachen anzuregen und durch spaßige, originelle eigene Beiträge zu unterhalten. Bei der Straßenfasnacht und den Umzügen soll er die Zunft zusammenhalten und von daher selbst ein fleißiger Mitarbeiter sein.

Der Nachtwächter, 1935 eingeführt, geht und radelt am Schmutzigen Donnerstag durch die Straßen der Stadt, um die Leute ab 5 Uhr zur Fasentdaifi zu wecken. Falls sein lautes Horn zum Lärmen nicht genügen sollte, hilft schon einmal ein lauter Knaller oder der Lärm von Konservendosen. Ansonsten führt er bei Umzügen, genau wie der Bott, die Zunft an.

Der Narr, eine der Einzelfiguren der Althistorischen Narrenzunft, leitet sich ab aus der historischen Figur des Prinz Carneval. Der Narr tritt in der Offenburger Fasent ausschließlich bei der Redoute auf und sagt dort den Leuten was er von diesem und jenem hält. Ob Kommunal-, Regional- oder Bundespolitik, keiner soll sich vor den Wahrheiten des Narren drücken.

Auch andere wichtige Ereignisse, ob sie nun in Offenburg oder sonst irgendwo auf der Welt passiert sind, werden von dem in ein buntes Filzspättlegewand gekleideten kommentiert. Denn in der Narretei gedeiht immer auch ein Fünkchen Weisheit und vielleicht spricht der Narr oftmals denen aus der Seele, die nicht laut sagen was sie denken.

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