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Figuren

Offenburger Hexenzunft e.V.

Der Teufel - eine von Karl Vollmer im Jahre 1948 entworfene Einzelfigur der Offenburger Hexenzunft. Diese im gesamten schwäbisch-alemannischen Fastnachtsgebiet wohl einmalige Narrengestalt ist nur dem Zunft- bzw. Hexenmeister oder dessen Stellvertreter vorbehalten.1958 entstand dann eine neue, von Werner Vogel kreierte Teufelsmaske, die bis heute vom Hexenmeister bei sämtlichen Auftritten getragen wird. Das Kostüm (Häs) des Teufels besteht aus einem grünen Lederwams, einer roten Spättlehose sowie schwarzen Lederstiefeln. Die tierisch- menschlichen Züge der Maske wurden beibehalten. Im Gegensatz zu der feingeschnittenen Schweinskopfmaske wurden dem Neuentwurf jedoch mächtigere, fast barocke Formen mitgegeben. Der bockähnliche Oberkopf mit großen hängenden Lauschern und den starr fixierenden Augen wird von zwei kräftigen geschwungenen Hörnern und zwei feineren Stirnhörnern abgeschlossen. Die breite Rüsselnase verdeckt  zum Teil  den offenen  Raubtierrachen mit zwei spitzen Reißzähnen.

Der diabolische Gesamteindruck wird durch den zotteligen Bocksbart und die heraushängende Zunge noch verstärkt. Ein Fuchsschwanz, über dem roten Maskentuch angebracht, rundet das Kunstwerk ab. Der Teufel bzw. der Hexenmeister führt die Hexenzunft bei ihren Auftritten an und vollzieht die Rituale des Hexenspuks und der Stempelung. Eine Ehrung. die verdienst sein muss.

Hexe - die Figur, die der Zunft den Namen gegeben hat, wurde von Karl und Pauline Vollmer in den Dreißiger Jahren entworfen. Hexenvater Karl Vollmer hat damals von jedem Mitglied eine Zeichnung, eine Art Karikatur angefertigt und diese zusammen mit einem Plastilinwachsmasken entwurf dem Elzacher Maskenschnitzer Fritz Disch zur entsprechenden Bearbeitung aus Lindenholz vorgelegt. Jede Maske erhielt somit einen persönlichen Charakterzug ihres Trägers.

Heute werden die Masken zwar nicht mehr nach Modellentwürfen geschnitzt, sind in sich aber nach wie vor sehr unterschiedlich, bis auf die von den Gründern vorgegebene Grundcharakteristika Hakennase, spitzes Kinn und Brollauge. Auf das Brollauge sollte man etwas näher eingehen, denn es ist für den Gesamteindruck der Hexe von entscheidender Bedeutung. Durch das stark eingeengte Sichtfeld ist der Träger gezwungen, um sein Umfeld wahrzunehmen, ständig den Kopf in alle Richtungen zu drehen. Durch diese Bewegung wird die Hexe endgültig zum Leben erweckt.

Als Abschluß der Maske dient das rot weißgetupfte Kopftuch, das in Form einer gotischen Haube über ein Drahtgestell gebunden ist. Unter allen Offenburger Hexen befinden sich ausschließlich Männer, die auch einen eigenen Hexennamen führen, der sich immer auf die Person unter der Maske bezieht.

Um mehr Frauen Gelegenheit zu bieten, am fastnachtlichen Geschehen aktiv mitzuwirken, wurde eine weitere Fastnachtsfigur geschaffen, die von Karl Wacker 1956 angeregt wurde. Es war das Hansele, das mit seinem buntgemusterten Spättlehäs das Bild der Hexenzunft farblich beleben sollte und heute den weiblichen aktiven Mitgliedern der Zunft vorbehalten ist.

Dieses Hansele hat die für das Kinzigtal typischen "Spättle" in den Farben rot, schwarz, gelb, grün und grau. Als "Spättle" werden kleine Stoffreste bezeichnet, die früher vorwiegend dazu benutzt wurden, um schadhafte Stellen an Kleidungsstücken auszubessern. Diese wurden zur Fasent auf Arbeitsanzüge aufgenäht und danach wieder abgetrennt, da man sich den Luxus nicht leisten konnte, einen Anzug nur an diesen Tagen zu tragen. Ein Hahnenkamm aus rotem Spättle dient als Abschluß der lächelnden Holzmaske. Dazu wurde das Spättlehansele mit einer an einem langen Farrenschwanz befestigten Saubloder ausgerüstet, von der es heute noch regen Gebrauch macht.

Nach dem Krieg konnte sich die Figur der Alt-Offenburgerin durchsetzen. Sie ist aus den Schnaigerinnen hervorgegangen, die in Frauenkleidern mit einer Gazemaske verkleidet, mit frechem Mundwerk, aber niemals verletzend über die anderen herzogen, also "schnaigten".

Ab 1947 trugen sie für zwei bis drei Jahre geschnitze Holzmasken. Diese Maske stellte ein freundliches Frauengesicht dar. Zwischenzeitlich bereichert diese Figur wieder verstärkt die Auftritte der Zunft, allerdings ohne Maske, aber immer noch in der Alt-Offenburger Bürgerinnentracht mit der bestickten Goldhaube.

Die nächste Figur, mit der wird uns beschäftigen möchten, ist der Büttel oder Sechser. 1945-50 war für die Büttel eine neue Aufgabe gefunden. Wahrscheinlich schon seit der ersten Stunde der Hexenzunft mit dabei, waren sie zunächst sogenannte "Handwerkerhexen", die mit allen technischen Angelegenheiten betraut waren.

Dann wurde der Büttel die Narrenfigur, die bis heute für die "Hexenanwärter" vorbehalten ist. Ihnen obliegt eine mittlerweile zweijährige Probezeit. Das Häs der Narrenfigur war und ist noch heute ganz auf deren ursprüngliches Aufgabengebiet ausgerichtet und so einfach und praktisch konzipiert: grüner, rotgemusterter Kittel mit Kapuze, die als Maskenabschluß dient. Die im schwäbisch-allemannischen Fastnachtsraum einmalige Halbmaske mit dem buschigen Schnurrbart. Einfache rote Hose und natürlich die traditionsreiche Büttelglocke. Sinnigerweise ist die Anzahl der Büttel (Sechser), und damit auch die Anzahl der "Hexenanwärter" im Zweijahresrhytmus auf maximal 6 beschränkt.

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