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Über die Zunft

Narrenzunft Zell am Harmersbach e.V.

Die Fasend in Zell hat eine lange Tradition. Ein Ratsprotokoll aus dem 17. Jahrhundert berichtet von Verboten und Strafen, da einige Zeller Bürger um 1650 die alten Bräuche aufleben lassen wollten und es in ihrem närrischen Übermut zu ausgelassen trieben. Es ist zum Beispiel überliefert, dass sich Hafnergesellen an der „faßnacht“ im Jahr 1670 gegenseitig verprügelten.

Das Bild der Zeller Fasnacht bestimmen vier Narro-Gestalten, die im schwäbisch-alemannischen Mummenschanz einmalig sind: Der Bändelenarro, Schneckehüslinarro, Spielkartennarro und Welschkornnarro. Dabei ergibt sich zwar, daß von den Vieren nur das "Bändele" auf lange Zeller Tradition schauen kann, während Schneckenhüsli- und Spielkartennarro erst in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Zell heimisch wurden.

Aber das Erfreuliche und Großartige an diesem Vorgang ist, daß die Neuschöpfungen nicht etwas Fremdes darstellen, sondern dem alemannischen Brauchtum entstammen und somit in ihrer stilgerechten Anpassung beim gemeinsamen Auftreten Harmonie und Schönheit verkörpern. Rein zahlenmäßig steht an erster Stelle das "Bändele", das der Zeller Fasend das besondere traditionsgebundene Gesicht verleiht. Auf Hose, Kittel und Hut sind farbige Papierstreifen aufgenäht, die mittels Messer- oder Scherenrücken nach dem Nähen gerollt werden. Diese Bändele werden nicht bunt durcheinander angebracht, sondern "in bestimmten farblichen Kombinationen". Die nötige Papiermenge - je Person bis 8 kg- besorgt heutzutage die Narrenzunft, die sie von einer Papierfabrik bezieht, nach Farben geordnet schneidet, faltet und an die "Interessenten" zum Selbstkostenpreis abgibt.

Ein "Bändele" anzufertigen erfordert Zeit und Geduld. "Wer sich sputet, kann von abends acht bis morgens acht die Bändele aufgenäht haben", sagen die Zeller. Das Gesicht des "Bändele" wird durch die Maske verdeckt, die als hinteren Teil ein schwarzes Tuch und als vorderen Teil ein grinsendes, bartloses Männergesicht zeigt. Die Maske der Zeller Narren darf nur in Verbindung mit den vier traditionellen Narrengewändern getragen werden. Das aufwendige Kleid des Schneckenhüslinarro mit über 2000 Schneckenhäusle und die Schwierigkeit beim Tragen des Gewandes, auch das beträchtliche Gewicht - ungefähr 40 kg -, sind schuld daran, daß es nicht mehr Träger dieser Narrengestalt gibt. Die Häusle werden auf Hose, Kittel und einen Dreispitz-Filzhut aufgenäht.

Der Spielkartennarro braucht zu seinem Gewand 1800 Karten, die ungefähr 3 kg wiegen und auf Hose und Kittel dachziegelartig aufgenäht sind. Auch der breitrandige Hut ist ganz mit Spielkarten besetzt. Die Maske ist die gleiche wie beim "Bändele" und die Streckschere wie beim "Schneckenhüslinarro". An der Fasend 1982 gab es in Zell 32 Spielkartennarros. Beim Welschkornnarro werden auf Hose und Kittel die Kolbenhüllenblätter vom Mais (Welschkorn) genäht, ebenso auf seinen breitkrempigen Hut. Maske und Farrenschwanz mit "Saublooder" sind gleich wie beim "Bändele."

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